brb afk – Ich gehe ins Internetverbot

Wie sinnvoll ist es, als selbstständiger Internetarbeitender eine Auszeit von seinen ganzen Profilen zu nehmen?

Als ich damals(™) mit dem Internet angefangen habe, waren da so Sachen wie MySpace oder MyBlog. Aber wie weit vorne will ich denn eigentlich anfangen?

Zur Wahrheit gehört, dass ich mich am 22. März 2008 bei Twitter registriert habe und seitdem für mich die Regel befolgt habe, jeden Tag einen Tweet zu schreiben. Anfangs, um irgendwie “ans Schreiben” zu kommen, dann irgendwann, um den Anschluss zum Weltgeschehen nicht zu verlieren, dann lange, weil ich das Gefühl hatte, so im Kopf irgendwie wach zu bleiben, später, weil ich durch eine instant gratification das Gefühl konservieren wollte, irgendwie etwas mit meinen dummen kleinen Witzchen auslösen zu können (ob es der schnelle Lacher war, der dann irgendwann auf irgendwelchen Facebookgrafiken weiterverbreitet wurde oder so Events wie #axelsurft, dessen Tweets dann sogar ausgedruckt auf Demonstrationen hochgehalten wurden) und dann, viel später, irgendwann, weil ich das Gefühl hatte, ich müsste. Entweder, weil ich auf dem Aufmerksamkeitsradar der Menschen bleiben wollte oder, weil es mir auch irgendwie meine Karriere sichert.

Ich habe dem Internet ja irgendwie recht viel zu verdanken: Ich habe viele Freunde über Twitter gefunden, bin mit einigen Menschen mittlerweile nur noch über Instagram im Kontakt und meinen Job, Internetkasper zu sein, habe ich nur, weil irgendjemand mal meine Tweets gelesen hat und besser fand als irgendwelche anderen Tweets. Irgendwann habe ich mich damit dann sogar selbstständig gemacht:
Mit Internet erklären, Kram ausdenken, Witzchen schreiben — und ja, man kann tatsächlich davon leben und ich liebe meinen Beruf.

Was allerdings nicht weggeht, ist das Gefühl, plötzlich auch mein Hobby ausführen zu müssen, während alles andere weiterläuft. Klar, ich könnte euch jetzt erzählen, wie viel rauer der Ton “in der Netzgemeinde” geworden ist, wie viel unangenehmer die anderen Menschen geworden sind und wie viel nerviger Kommentarspalten und Antworten auf doofe Witzchen geworden sind. Vielleicht ist mein Fell aber auch nur dünner geworden — oder ganz einfach gesagt: Der Bock einfach weniger.

Das Hobby zum Beruf machen ist schön, aber wenn man seinen Beruf dadurch zum Hobby macht, wird es schwierig. Wie kann man freinehmen von etwas, das den ganzen Tag immer und überall ist? Eben.

Also mach ich mal etwas Urlaub. Erstmal zwei Monate. Die Arbeit geht ja irgendwie weiter — und die Arbeit mit, am und im Internet auch. Vorm Digital Detox kommt Digital Burnout. Und da habe ich noch weniger Bock drauf.

Wie sinnvoll ist es also, als selbstständiger Internetarbeitender eine Auszeit von seinen ganzen Profilen zu nehmen?
Wahrscheinlich sehr.

Aber ich bin ja nicht ganz weg. Als jemand, der beruflich “Content” “created” dachte ich mir, spreche ich darüber. Mit euch, mit Menschen, die wissen, wie sich das anfühlt (wie zum Beispiel mit Mirella in der ersten Episode) und mit mir. Vor allem mit mir. Jede Woche wird es eine bis zwei Episoden von “Zittern statt Twittern” geben, bis ich wieder da bin. Here we go: 

Mein Tagebuch ohne Social Media als Podcast. Kann man auch ganz gut abonnieren und mehrfach hören.

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