Zur Hölle mit dem Pseudonym

Seitdem ich mich im Internet bewege, passiert dies – mehr oder weniger – irgendwie unter einem Pseudonym.

Angefangen hat das alles, als ich damals meine erste E-Mail-Adresse registriert habe.
In einer Zeit, in der der Begriff Klarnamenpflicht höchstens zu Irritationen führte, eBay-Auktionen von Accounts mit Namen wie butterbirne936 oder reizradieschen eingestellt und Chatrooms voller HerzSuchtHaifische waren.
Meine erste E-Mail-Adresse war also geboren. Benannt nach einer Figur aus einem Adventurespiel. Und bis heute in Verwendung für sämtliche Anlässe, die nach Spamopferakquise riechen.

Es hat tatsächlich bis ins Jahr 2012 ge- und sämtliche Überredungsversuche von sozialen Netzwerken wie dem StudiVZ, Myspace oder Google+ überdauert, bis ich zu dem Punkt gekommen bin, mir eine Identität zu „bauen“. Einen abweichenden Nachnamen. Einen, mit dem ich bereit war, in der Öffentlichkeit aufzutreten und stattzufinden. Gavin von Darl war geboren.

Tag für Tag produzieren wir Inhalte, schleudern sie in eine Öffentlichkeit, die wir zwar Internet nennen, aber als Gesellschaft wahrnehmen und freuen uns dabei über jeden Daumen, jedes Zwinkern und jede Reaktion, die dadurch entsteht.
Wir werden allmählich gleichermaßen zu Produkt und Anbieter, Produzent und Vertrieb. Wer dabei wie ich obendrein die Möglichkeit nutzt, sich ein wenig „selbst zu vermarkten“, in den Medien stattfindet/-n will und auf Bühnen steht, um dort Inhalte loszuwerden, der versteht, dass es mindestens nützlich ist, wenn der eigene Name zumindest schon einmal gelesen wurde. Und wenn es „nur auf Twitter“ war.

Jetzt, drei Jahre später, also die Frage:
Wieso sollte ich michverstecken hinter einer Maske, die ich mir selber gebaut habe, um in einer virtuellen Öffentlichkeit weniger real stattzufinden, um am Ende irgendwie davon zu profitieren?

Wenn auch du den letzten Satz mehrfach lesen musstest, um ihn zu verstehen (oder zu erkennen, dass er in sich unschlüssig ist), dann stehst du an meinem Punkt:
Ich kann mir natürlich einen Decknamen ausdenken, um anonym zu bleiben, um Inhalte zu produzieren, die andere nicht mit meiner Person in der Wirklich übereinbringen können sollen oder um einfach nur zu trollen.
Aber ich kann es auch als Gewinn verstehen, wenn Networking nicht mehr nur auf Messen stattfindet, Synergien im Internet genauso entstehen wie in Kneipen und wenn man mich eben auch mit dem verknüpfen kann, was ich produziere.

Ganze Serien werden mittlerweile für’s Internet produziert, Musik verkauft sich über iTunes öfter als im Plattenladen und 2013 wurden 21,5 Millionen e-Books verkauft.
Die Plattform wird zunehmend egaler, wir schauen, lesen, hören wann wir wollen, wo wir wollen.
Für mich ist die einzige Konsequenz also, als Mensch, der auf Bühnen so stattfindet, wie im Internet, diese ganzen Identitäten auf einen Nenner zu bringen.

Zur Hölle also mit all diesen Pseudonymen, Nicknames und Identitäten. Transparenz ist überall In. Wieso dann nicht auf meinem Portfolio?!

Eben.

 

Ach und: Ich habe lange überlegt, ob ich die Gelegenheit nutzen soll, mit einem Knall, einer Entlarvung, eine Exitstrategie um die Ecke kommen kann, die all das zusammenführt, was „ich“ ist. Aber: Nö. Es ist erschreckend genug gewesen, wie schnell Menschen aus meinem nächsten Umfeld annahmen, dass mein Nachname ein Anderer sei.