Wer sind die Stars, wer kommt groß raus?

Für alle, die gestern Abend mit einem großen „WER?!“ im Gesicht zurückgelassen wurden:

Wir stehen wieder vor dem Nichts. „Nichts“ – das ist in diesem Fall ein großer, grüner Fleck Landkarte, auf dem sich an- und abgehende „Prominente“ (meist selbsternannt) tummeln, um zumindest für die nächsten zwei Jahre einen finanziellen Standard zu erreichen, der für die meisten schon die ein oder andere Dekade zurückliegt.

Sonja Zietlow hat es in der Premierensendung schon humorvoll angerissen: RTL hat in diesem Jahr Geld gespart und auf „echte Promis“ verzichtet, um mehr Gewinnspielgelder auszuschütten. Aber: Ist es tatsächlich so?
Auf einer Promiskala von Miley Cyrus bis Regina Zindler: Wer schafft in diesem Jahr die Psychosen in Europa zu lassen und wem bricht das Rückgrat zuerst?

Die Anwärter:

Patricia Blanco Was einst Aaron Troschke (bekannt von: Hat einen Youtubekanal) oder Nico Schwanz (bekannt von: Hat einen lustigen Namen) waren – Campbewohner, ganz ohne Wikipediaartikelrelevanz – heißt in diesem Jahr nicht nur zufällig wie der klamme Unterhaltspreller von Salzburg.
Denn Patricia Blanco, die übrigens – wie ihr berühmter Vater – wirklich Blanco mit Nachnamen heißt, ist – neben Mercedes, die übrigens auch wirklich so heißt – das einzige Kind von „ein bisschen Spaß muss sein“ Roberto.
Berühmt wurde die hauptamtliche Tochter übrigens dadurch, im Jahr 2009 für das Kamerafernsehformat „Big Brother“ schon einmal im Schlüpfer durch Deutschlands Wohnzimmer geflimmert zu sein.
Sexy übrigens, dass Pati, wie sie hoffentlich niemals genannt werden wird, bereits 2006 von der Wikipediacommunity als nicht relevant eingestuft wurde und seitdem als „unerwünschte Wiedergängerin“ eingestuft wird. Dieser Titel könnte einen prophezeienden Charakter haben.
Promistatus: Na immerhin mit einem zweifelsohne als „prominent“ einzustufenden Schlagersänger verwandt.

Benjamin Boyce Anders als „Love“ ist „The Boyce“ schon sehr, sehr lange nicht mehr everywhere.
Benny war von 1992 bis 1998 Mitglied einer Boygroup, die bis heute Bettwäsche in Giftschränken dieses Landes ziert: „Caught in the Act“. Im Gegensatz zu den ehemaligen Mitstreitern Lee, Bastiaan und Eloy hat Boycee jedoch eine durchaus erfolgreiche Gossipkarriere in Deutschland hingelegt und war schon 1996 mit Aleksandra Bechtel liiert, die im Jahr 2003 sogar „Big Brother“ moderieren durfte.
UND: Benjamin Boyce hatte im Jahr 1994 einen Gastauftritt bei Gute Zeiten, Schlechte Zeiten. Dschungelcampnachbarin Angelina Heger war zu diesem Zeitpunkt übrigens erst zwei Jahre alt.
Ein echter Tausendsassa und eine gute Fingerübung für Constanze Rick.
Promistatus: Wäre vor seinem Lifting vermutlich sogar das ein oder andere Mal von ehemaligen Fans erkannt, aber aus Peinlichkeitsgründen garantiert nicht angesprochen worden.

Walter Freiwald Mit dankbaren Sätzen wie „Das wäre Ihr Reis gewesen!“ oder „Meine Damen und Herren, ich dreh‘ am Raaaaad!“ dürften sämtliche Lokalzeitungswitzseitenredaktionen von Alsfeld bis Quadrath-Ichendorf bereits Herrn Freiwald unterfüttert haben seit dem Tag, als gerüchteweise bekannt wurde, dass der kleine Bruder von Harry Wijnvoord ins Camp ziehen wird.
Was sie bei ihrer Unterfütterungsaktion nicht gewusst haben: In Walter Freiwald ist plötzlich sehr viel Platz.
Denn der smart-charismatische Dicke vom Hitshoppingsender „RTL Shop“ hat gefühlte 120 Kilo abgenommen. Und knapp 30 Jahre draufgelegt. Zumindest lässt das durchfurchte Gesicht tiefblicken.
Neben Benjamin Boyce hatte übrigens auch Walter „Proppy“ Freiwald einen Gastauftritt in einer Soap – bei ihm hat es allerdings nur zu „Unter Uns“ gereicht.
Promistatus: Zwar dürften viele der damaligen Plinko- und ÜBERBOTEN!!-Fans inzwischen verstorben oder an Demenz erkrankt sein, dennoch: Einem jedem dürfte das Gesicht von Freiwi.. äh… Freiwalter ein Kassenklingeln im Kopf versuchen. Meine Prognose schon jetzt: Was Bata Illic 2009 war, haben wir sechs Jahre später in Form eines Fernsehmarktschreiers. Kennt man dann ja immerhin.

Maren Gilzer Ex-Buchstabengirlie Maren Gilzer – die Autokorrektur schlägt vor: Maren Glitzer; jedem, der ihr Gesicht 2015 schon gesehen hat, weiß: zu Unrecht – hat damals im Alter von 28 Jahren dadurch Bekanntheit erlangt, dass sie Buchstaben gedreht hat, wo andere nur weiß gesehen haben – und somit zu Gewinnen verholfen, die für heutige Maßstäbe utopisch wären (in welche Richtung auch immer): Toaster, Kaffeemaschinen, Österreichreisen.
Angeführt wurde sie dabei von diversen Altherrenwitzmachern, wie unter Anderem dem ganz und gar unangenehmen Peter Bond, der auch schon auf den Brettern, die das Geld bedeuten, gelegen hat, auf denen sich in den nächsten 13 Tagen Maren Gilzer räkeln wird.
Ich persönlich bin der Meinung, dass Maren Gilzer eigentlich der Prototyp des It-Girls, wie wir es heute kennen, ist.
Sie ist die Diana Herold (die Blonde aus der Bullyparade, die ich hiermit schon einmal ganz pauschal für das Dschungelcamp 2016 vorschlagen möchte) des Glücksrads gewesen und durfte sogar schon an der Seite ihres männlichen Ebenbildes Walter Freiwald (siehe oben) im RTL Shop moderieren. Dennoch: Ich unterstelle Maren Gilzer einen großen Haufen Menschlichkeit. Und: Immerhin kennt sie mehr Buchstaben als Sara Kulka.
Promistatus: Sie war der Masturbationstraum unserer Väter und nährt ihren Status davon bis heute. Lassen wir sie doch einfach.

Angelina Heger ist der Beweis dafür, dass die Castingredaktion des Dschungelcamps bewusst nach bestimmten Charaktervorlagen sucht:
Was einst eine Larissa Marolt ausgemacht hat, hat sich hier im Dschungelcampcasting mit dem Namen „Der Bachelor“ unter Beweis stellen lassen, als Angelina Heger mit Eifersuchtsattacken ihrem potentiellen Rosenkavalier erklärt gezeigt hat, dass sie nicht gerne teilt. Und sich damit im Grunde mit dem Format der Sendung als nicht einverstanden erklärt hat.
Blöd nur, dass sie da die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat, der Angelina deswegen ironischerweise zur Zweitplatzierten erklärt hat.
Seitdem listet die Wikipedia sie als „Reality-TV-Darstellerin“. Traurig aber wahr.
Promistatus: Wer ohne zu googeln wusste (nicht schummeln!), wer Angelina Heger ist, hat entweder ein wahnsinnig gutes Namengedächtnis oder eine Schwäche für schwache Unterhaltung.

Sara Kulka ist eine der Kandidatinnen, die froh sein kann, dass ihr Name nicht mehr als 2 Vokale enthält. Denn anders als Maren Gilzer, die noch zur alten Schule des Frauseins gehörte, ist Sara Kulka der Beweis, dass der Beruf des It-Girls inzwischen längst nicht mehr so anspruchsvoll ist, wie er einmal war (Habe ich das gerade wirklich geschrieben?) – denn: Das Umdrehen von Buchstaben gehört – wie das Formen von geraden Sätzen oder (zumindest) der Aufrechterhaltung von gesellschaftlichen Konventionen – längst nicht mehr zum Bild des gemeinen Öffentlichkeitsmädchens.
Trotzdem hat die Fünftplatzierte von Heidi Klums Modelcastingkatastrophe es locker durch die böse Wikipediarelevanzprüfung geschafft und darf auf eine umfangreiche Filmografie zurückblicken, die ich gerne ganz ironiefrei zitiere:

2012: Germany’s Next Topmodel
2012: Bericht im Boulevardmagazin taff (Ja, das steht da wirklich. Ganz genau so. Anm.d.Red.)
2013: Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika
2015: Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!

Promistatus: Wer in der Vorstellungsepisode ‚Ey, fick dich!‘ rufen darf und damit die Titelzeile eines Focus-Artikels vorformuliert, kann kein Underdog sein. Will man meinen. Aber hey – immerhin ein Bericht bei taff.

Aurelio Savina hat es geschafft, bereits am ersten Tag den Beinamen „Der Mann“ zu erhalten. Seine Erklärungen, dass ihm egal ist, ob Brüste gemacht sind oder nicht, solange sie nur groß genug sind, charakterisieren den sportlichen-scheinenden Kreatinabhängigen daher eigentlich schon ganz gut.
Aber, fürs Protokoll: Aurelio hat sein Geld als Stripper „Aury Savina“ verdient, spielte den Bordellbesitzer ‚Niko‘ im Softporno ‚Das Leben an der Stange‘, welcher sogar auf dem Bumsbildchensender Sport1 ausgestrahlt wurde und wollte dann sein Glück in bei der Bachelorette Anna Hofbauer versuchen. Zwar vergebens, aber immerhin.
Promistatus: Wäre in den 90ern auch bei Tutti Frutti aufgetreten, um Öffentlichkeit und „nackter Oberkörper“ in Einklang zu bringen, hätte damit aber keine Bühne wie 2015 bekommen. Ist in etwa so berühmt wie ein beliebiger „Wer wird Millionär“-Kandidat mit Geltungsdrang.

Rolf Scheider Rolf – oder eher: Rolfe – deckt den Bereich eines Froonck Mathée ab, indem er seinen Namen verfälscht und zumindest fürsorglich ist wirkt.
Der gelernte Großhandelskaufmann im Butter-, Eier- und Käsesektor hat schon früh seinen Lebensmittelpunkt nach Paris verlegt, um – wie böse Zungen behaupten – seinen selbstangeeigneten französischen Akzent zu rechtfertigen – doch wat e eschten Rheinländer is, hält ihn nichts davon ab, mit seiner Aussprache das zu versuchen, was Lena Meyer-Landrut schon aus der englischen Sprache gemacht hat.
Rolfe Scheider war nicht nur Juror von Germany’s Next Topmodel (was ganz offensichtlich wunderbar – neben dem Bachelor – als Toperstverwertungshalde für DschungelcamperInnen dient), sondern hat sich seinen Namen auch in der Modelcastingshow Austria’s Next Topmodel gemacht. Hut ab.
Promistatus: Rolfe genießt immerhin den Status einen Spitznamen zu tragen, den Stefan Raab erfunden hat. Zusammen mit seiner gelegentlichen TV-Präsenz ist er dadurch noch berühmter als die „Ö la Palöma Boys“.

Jörn Schlönvoigt befolgt nicht nur nicht die Regel „Niemals intim im Team“, indem er inzwischen schon mit der dritten seiner GZSZ-Kolleginnen liiert ist (nachdem er Sıla Şahin ganz vielleicht aus den Reihen der Daily Soap entfernen ließ), sondern genießt vor allem durch seine Teilnahme am perfekten Promi-Dinner immerhin eine häufige Präsenz in der VOX-Vorschau.
Und auch bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ darf er regelmäßig einen Arzt mimen, was er in der ersten Episode des Dschungelcamps auch direkt zum Anlass nahm, medizinische Ersthilfe zu leisten. Genau SO wünscht man sich das doch!
2007 hatte Jörn Schlönvoigt mit seiner Single „Das Gegenteil von Liebe“ (Spoiler: Nicht Hass.) immerhin einen Platz 8 in den Deutschen Singlecharts und, das Allerwichtigste ist: Jörn Schlönvoigts Karriere begann als Statist bei „Schloss Einstein“. Er ist das Kid von morgen.
Promistatus: Jörn Schlönvoigt ist Bartträger, Daily Soap-Darsteller und jetzt auch Dschungelbewohner. Niemand weiß wieso, aber hey: Ich kannte ihn immerhin.

Rebecca Siemoneit-Barum Iffi Zenker, wie sie in ihrer Parade- und einzigen Fernsehrolle seit 22 Jahren heißt, ist nicht nur Zirkuskind (und war somit mit dem Barumzirkus mein erstes – traumatisches – Clownserlebnis), sondern hat auch mit dem politisch zumindest zweifelhaften Willi Herren die Single „Wir sind immer noch hier“ aufgenommen, die übrigens ganz zufällig parallel zum Einzug ins Dschungelcamp veröffentlicht wird.
Und während das Twitteruniversum sich darüber lustig macht, dass Rebecca Siemoneit-Barum körperlich mehr auf den Hüften hat, als Angelina Heger, wird komplett vernachlässigt, dass sie 2011 gänzlich erfolglos mit ihrer Kandidatur für den Landkreis Northeim für die CDU gescheitert ist. Dabei wäre das doch viel lustiger.
Promistatus: Zwar kennt man sie nicht aus der Politik (haha), aber immerhin flimmerte sie 22 Jahre jeden Sonntagabend über die Mattscheiben. Ein Fernseh- und Zirkuskind und irgendwie: Gerechtfertigterweise als Prominente zu bezeichnen.

Tanja Tischewitsch Nicht einmal Top 20-DSDS-Kandidatin, nicht einmal gute Sängerin, nicht einmal bekannt und vermutlich: Auch eher selten auf der Straße angesprochen und wiedererkannt. Tanja Tischewitsch hat bei Paul Jahnke DJ-Unterricht(!!!) genommen (das ist in etwa so, wie bei H.P. Baxxter singen zu lernen. Oder beim Papst in Sexualtherapie zu gehen.) und legt es offenbar sehr darauf an, berühmt zu werden und nutzt dafür alle Kanäle. Sogar eine Präsenz bei „mieten, kaufen, wohnen“. Clever!
Promistatus: Ist mir jetzt auch zu blöd.

Fassen wir zusammen: Das Dschungelcamp 2015 trumpft vielleicht nicht mit Superstars (und nicht einmal relevanten Anwärtern darauf) an, aber immerhin mit sehr, sehr viel Konfliktpotential. Und schönen Geschichten – zwar kein Wendler, aber auch keine Frau Müller vom Bäcker nebenan.

  • randpop

    Immerhin hat Rolfe nicht nur unseren Allweisheitssatz „Isch wärde noch gänz… wie heisst dat noch? Paranoicke“ geprägt, sondern war tatsächlich auch bei zwei Staffeln Germanys Next Top Model dabei – Will man ja nicht unterschlagen so einen Karrierestep 🙂

    • Du hast ja Recht, du hast ja Recht… (seine Jurorentätigkeit habe ich aber natürlich erwähnt! ;-))