Was man sich schenKEN kann.

Ken. Bild von flickr-Nutzer 'smil (CC 2.0 BY-NC-ND)

Was macht ein Radiomoderator, den der RBB entlassen hat, weil er im direkten Fankontakt den Holocaust als PR-Übung bezeichnet hat?
Logisch: Er beginnt, seine – zunächst als Musiksendung gestartete – konspirative Agitradioshow über das Internet an den Mensch zu bringen – und, was soll man anderes vermuten: Mit enormem Erfolg.

Ken Jebsen nennt seine Plattform für sogenannte Gedankenblitze „nicht-embeddete[n] Journalismus“ – und alle fragen sich – ihm inklusive – was er damit meint.
KenFM, das ist glorifizierter Personenkult mit der gewissen Prise Wahnsinn, um für Menschen interessant zu wirken – kombiniert mit kantigen und dennoch griffigen Thesen, die eigentlich nur offenbaren sollen, dass sämtliche Medien hoheitskontrolliert sind, dass die Politik nicht mehr als ein existierender Kosmos zur Verarschung der Masse ist und dass sämtliche Katastrophen und Anschläge, wie dem 11. September nicht mehr als… nun ja… Lügen sind.

Das Re-versalonfähigmachen der Verschwörungstheorien.

Ich erinnere mich an die Anfänge im Internet, als die konspirativen Unterseiten von Freenet (was ist eigentlich aus Freenet geworden?), als es heiß war, von ungeklärten – und irgendwie auch unerklärlichen – Phänomen zu sprechen, ob denn tatsächlich am 1. Juni 1973 in Oakland, Ohio, Ausserirdische gesichtet wurden. Oder dass Frank Smith am 13. März 1951 entführt wurde – und innerhalb von 7 Sekunden ganze 14 Jahre vergangen sein sollen.

Das Ganze wird dann gefährlich, wenn jemand rhetorisch fit ist.

Und genau das trifft auf Ken Jebsen zu. Er redet wahnsinnig schnell, um den Eindruck zu vermitteln, genau zu wissen, was er loswerden möchte, malt in seinen Vorträgen vermeintlich wirre Pyramiden an Whiteboards, um dem Publikum nachhaltig zu demonstrieren, dass die Politik nur verschleiern möchte, dass die Medien den einzigen Auftrag haben, der Gesellschaft zu verschleiern, dass sie die Mehrheit ist (und somit theoretisch in der Läge wäre, die Politik zu ’stürzen‘) und kennt, ganz ähnlich den geschulten Rhetorikern in oberen Positionen eigenartiger Bündnissen (vgl. ‚Pro Köln‘), auf jedes Gegenargument die richtige Antwort.

Im wahren Faktencheck würde zwar keine dieser Antworten standhalten – aber klar, diese Fakten sind ja auch kontrolliert in die Medien gedrungen (worden).

Seine Anhänger sind, ganz ähnlich (wer erkennt ein System?) denen, die stets eigenartigen Bands (vgl. ‚Frei.Wild‘) auf Facebook bis aufs Blut die Treue schwören, um somit jedem gerecht- oder ungerechtfertigten Kritikpunkt mit Anlauf ins Gesicht zu springen.

KenFM - Facebookenergien
Screenshot eines Facebookkommentars. Ein Anhänger weiß zu überzeugen.

„Jeder, der was gegen Ken hat, ist gegen uns.“
Und jeder, der was gegen Ken hat, hat dies, natürlich, nur, weil Ken ein Antisemit ist. Seine Fangruppe trägt daher auch den subtilen Namen „NUR FÜR SYSTEMKRITIKER“.

Wäre ich technisch versierter, ich würde ein „Ken- oder Frei.Wild-Fan-Aussagen?“-Quiz programmieren.
Bis dahin müssen wir uns allerdings mit eigenen Recherchen vergnügen.

Ein zurzeit kursierendes, 90-minütiges Video, welches wie besessen von jedem Zeitgeist-Zunicker über die Kanal viral geteilt wird, beginnt mit der zeitlosen Aussage von Ken Jebsen, dass er sich nie wieder auf eine Bühne stellen wird, um den Personenkult um ihn herum kleinzuhalten. Und lässt einen einstündigen Vortrag folgen. Von der Bühne aus. Logisch.

Spannend nur, dass all die, die ihm so sehr die Stange halten, genau das sind, was er in der Öffentlichkeit eliminieren möchte: Fernbedient.

Und was macht man mit einem Radiomoderatoren, den der RBB entlassen hat, weil er im direkten Fankontakt den Holocaust als PR-Übung bezeichnet hat?
Logisch, eigentlich.

Oder?