Wie der falsche Prinz uns zum Weinen brachte

Kennt ihr das? Ihr steigt in eine Straßenbahn und entdeckt irgendwann einen Menschen, dem ihr zutraut, dass er noch während dieser Fahrt durchdrehen, irgendetwas anrichten oder zumindest mit – für ihn – ungünstigen Situationen auf sich aufmerksam machen wird?

Seitdem ich mich näher mit der Person Xavier Naidoo beschäftigt habe, je mehr Zeilen ich eigenartiger finde, desto klarer wurde mir, dass das alles nur der Weg zu dem Moment ist, an dem er jetzt steht und endlich verkündet hat:

Aber nein, wir sind nicht frei, wir sind immer noch ein besetztes Land! Deutschland hat noch keinen Friedensvertrag und ist dementsprechend auch kein echtes Land und nicht frei.

Ein Schelm, wer da an das Neuschwabenland unter Dr. Axel „Die Sonne ist kalt!“ Stoll denkt, an die BRD GmbH oder gar an Ken Jebsen.
Meine Theorie ist ja, dass Xavier Naidoo in letzter Konsequenz die Gründung einer neuen Katholizismusbewegung ausrufen wird. Eine coole Gang, die niemals ganz allein ist und genau weiß, was der Herr gerade braucht und was nicht. Und vor allem: Wie man ihm dient. Und dass Homosexualität nicht in dieses Bild passt, logisch.

Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?

aus XAVAS – Wo sind

Aber irgendwie ist all das ja auch immer mehr bohemian. Die Montagsdemos, die subtile Rechte und der latente Fremdenhass.
Lieber Xavier, Adriano könnte auch dein Bruder sein.

Und wieder verging eine Woche, ohne, dass man vollends an Promi BigBrother hätte vorbeikommen können.
Einer der Kandidaten – der falsche Prinz, Dr. Mario-Max zu Schaumburg-Lippe – machte in den letzten Tagen vor allem damit Schlagzeilen, dass, während er im Kameracontainer in Köln-Ossendorf seiner Tage harrt, seine Freundin Kathy „draußen“ die Taschen gepackt hat, um sich endlich von ihm zu trennen. Natürlich hatte sie während seines zweiwöchigen Aufenthaltes bei der Fernsehshow keinerlei Chance gehabt, a) zu warten oder b) einen anderen Kanal zu wählen, ihm dies mitzuteilen, als die BILD-Zeitung.

Gerne habe ich die Chronik der letzten und kommenden Tage dieser Trennung einmal zu Papier gebracht:

16. August 2014, 20:15 – Die Liveshow „Promi BigBrother“ beginnt, der „Prinz“, der eigentlich keiner ist, zieht in das totalüberwachte Haus. Seine Freundin sitzt im Publikum der Sendung. Er verkündet noch einmal seine große und ewige Liebe.

20. August 2014 – Der „Prinz“, der immer noch keiner ist, erklärt seinen Mitbewohner/-innen noch einmal, wie sehr er seine Freundin, seine Lebensliebe, liebt.

21. August 2014 – Die BILD-Zeitung zitiert seine Freundin, sie halte es nicht mehr aus. Es sei, genau das: Aus.

21. August 2014, 23:00 – In der Liveshow „Promi BigBrother“ wird ihm genau dieser Zeitungsausschnitt vorgelegt, er startet die Wiedergabe eines 18minütigen Plädoyers, wieso er um sie kämpfen wird.

23. August 2014, 22:55 – Der „Prinz“ wird aus dem Haus gewählt, erklärt, dass er nicht um seine Freundin kämpfen wird und kann.

Status Quo. Und dann? (Ab hier nur noch Prognosen:)

04. September 2014 – Der neue Playboy erschient. Die jetzt-Ex-Freundin des Prinzen, Kathi Bösenecker, findet sich nackt auf diesen Seiten

05. September 2014, 20:15 – Im Rahmen der TV-Show „Promi BigBrother: Das große Wiedersehen“ verkünden die beiden ihre Versöhnung. Das Ganze sei „ein großer Irrtum“ gewesen und – haha – werde wohl nie wieder vorkommen. Nichts könne sie nun noch auseinanderreißen.

10. September 2014, 22:15 – Das neue SAT.1-Format „Gossip“ (welches in Studiooptik, Thematik, und Aufmachung an die Sendung ‚red!‘ auf dem Schwestersender Pro7 erinnert) feiert Premiere. Thema: Die große Versöhnung des (Nicht so ganz)-Prinzenpaares.

17. September 2014, 22:15 – Die zweite Ausgabe der Sendung „Gossip“ läuft. Das Prinzenpaar feiert Verlobung. Die Vorbereitung der Hochzeit wird nun wöchentlich als Videotagebuch von Gossip begleitet.

15. August 2015, 20:15 – „Promi BigBrother 3“ läuft an. Kathi Bösenecker darf an der Ecke von Cindy (aus Marzahn) Witze über die neuen Bewohner/-innen machen. Sonst ändert sich nix.

Bedrest - Bettruhe in 6° Kopftieflage - Quelle: http://www.dlr.de/me/desktopdefault.aspx/tabid-7713/16004_read-40840/
Bettruhe in 6° Kopftieflage – Quelle: http://www.dlr.de/

Das Institut für Luft- und Raumfahrt – DLR – sucht zurzeit nach Probanden für eine Studie zu „Reaktiven Sprüngen in einem Schlittensystem als Maßnahme gegen bettruhebedingten Muskel- und Knochenabbau während Langzeit-Bettruhe“.
Was wahnsinnig spannend und kompliziert klingt, ist aber vor allem: Lukrativ und unfassbar langweilig.

15.000€ ist die ausgeschriebene Aufwandsentschädigung (die allerdings auch zur Deckung der Nachuntersuchungen und garantiert auch der Langzeitfolgen dienen muss) für einen 89-tätigen Aufenthalt in dem Institut im Szeneviertel Köln-Wahn (ca. 6000 Einwohner), um sich in 6° geneigter Bettruhe in Schieflage nicht zu bewegen. 60 Tage lang.

Freundlicherweise wird einem freigestellt, ob man in der Zeit Musik hören, Lesen oder gar etwas Schreiben möchte. Der Fantasie sind also keine Grenze gesetzt, solange man sich nicht aus seinem Bett bewegen muss.

Wenn ich an die Zeit denke, in der mein Bett aufgrund eines Defektes eine ähnliche Schieflage aufwies, entdecke ich eigene Parallelen an eigene meiner damaligen Sommerferien. Mit dem großen Unterschied, dass es da niemals 15000€ gab. Dafür musste ich aber auch nicht in Köln-Wahn lungern.

PS: Dieser Tage ist die erste CD von Julia Engelmann erschienen. Aus Protest werde ich nun drei Tage keine Dinge tun, die ich mir vorgenommen haben. Bereuen, baby!