Mein Appell zu mehr Hass

oder: Wie ich von Helmut Kohl träumte. 

Neulich habe ich geträumt, Helmut Kohl würde auf mich zukommen und fragen, was meine Ansichten sind, damit er mir helfen kann, sie durchzudrücken.

Was auch immer das tiefenpsychologisch über mich oder die autoritäre Position ehemaliger Bundeskanzler in der Gesellschaft aussagt, eines war um diese Geschichte beachtlich:
Wann auch immer ich den Menschen in meinem Umfeld erzählt habe, was da so durch meinem Kopf geisterte: Niemand hat gefragt, was ich denn geantwortet hätte. Was wären denn die Ansichten, um dessen Verwirklichung ich die Hilfe des tiefschwarzen Exoberhauptes in Anspruch genommen hätte?

Die Antwort lag mir parat, aber sie wurde eben nicht verlangt.

Ich glaube, eigentlich würde ich nur wollen, dass die Menschen nach solchen Dingen fragen würden. Generell: Mehr fragen würden.

Aber solange „Atemlos“ gesungen wird, ist kein Platz nach der Frage, wieso eine Helene Fischer 2014 erfolgreiche Popmusik machen kann, straight outta the hell called Volksmusik.

Als Mark Zuckerberg vor zwei Jahren einen Androidlauncher namens „Facebook Home“ vorstellte, war die Idee aus Unternehmersicht, mit einer kleinen Software Millionen Handys fremdzubranden, verführerisch.
Ein Download später hätten unzählige Handynutzer ihr Googlesystem den Abfluss hinuntergespült, um für eine andere Datenkrake auf Recherche zu gehen. Wie verlockend.
Und für alle anderen wäre die Idee ebenfalls spannend gewesen: Alles, was die Freunde so posten, direkt auf dem Startbildschirm zu sehen. Die Nachrichten der Facebookhomies direkt im System integriert. Nur leider schreckte die Idee zu sehr ab. Niemand würde sich einen Launcher auf seinem Mobiltelefon installieren, solange niemand wüsste, was ein Launcher ist.

Während sich also die Techbloggerszene vor Suchanfragen kaum retten konnte, blieb Facebook Home im Store liegen.
Und das Traurige:
Niemand wusste eigentlich, wieso er’s ablehnte: Es riechte eben irgendwie komisch.

Kaum jemand hat das System merkwürdig gefunden, weil es merkwürdig war, sondern nur: Den Anschein machte.
Die Wahrheit: Marc Zuckerberg hat die Menschen überschätzt, Helene Fischer dagegen die Lücke erkannt.

Es wird sich nicht mehr empört, beschwert oder hinterfragt. Und wenn sich einer vermeintlich Gedanken macht und hinter den Vorhang blickt, rennen ihm alle genauso hinterher.
Der einzige Unterschied zwischen Ken Jebsen und Kai Diekmann ist also, dass die Bildzeitung schon ein etablierteres Feindsystem aufbauen konnte, Ken Jensen dagegen gerne ein etabliertes Feindsystem wäre.

Also, lieber Helmut Kohl, helfen Sie mir, die Leute dazu zubringen, Menschen mit Ihren Ansichten wieder zu hassen.

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