Der lange Weg zum Lehrstuhl

Heute ist der letzte Donnerstag, bevor ich meine Zeit in Hörsälen verbringe. Der letzte Donnerstag, an dem ich mich wundere, wieso die Mehrzahl von Saal (Säle) nur einen Vokal/Umlaut hat und vermutlich der letzte Donnerstag, bevor ich mich entweder a) im Lernmodus oder b) im Lernverdrängungsmodus befinde.

Gott sei Dank habe ich also noch drei Tage, bevor (schon wieder) der Ernst des Lebens losgeht.
Dennoch nutze ich natürlich die Zeit, um mich artgerecht auf die Herausforderungen der Lehranstalt called Universität vorzubereiten:

Die Universität hat mir einen Zugangscode mitgeteilt, der gleichzeitig meine universitäre E-Mailadresse darstellt. Ob es nun Tradition hat oder nicht: Dass diese Mailadresse nun aus wilden Buchstabenkombinationen besteht, die im entfernten an meinen Vor- und Zunamen erinnern könnte, erscheint mir nur bedingt als schlüssig, aber bitte: Der Dekan gibt es, der Dekan nimmt es.
Meine Theorie trotz allem: Ich vermute, dass diese wirren Codes aus einer Zeit entspringen, in denen man noch dachte, sie würden eine gewisse IT-Sicherheit gewährleisten. Oder zumindest vorgaukeln. Heute wissen wir: Wirklich sicher ist nur Whatsapp.

Mit diesem Code habe ich nicht nur Zugang zum Profilmanagement (welches mir ausschließlich die Möglichkeit bietet, mein Passwort zu ändern oder die uniinterne Mailadresse auf meinen privaten Mailaccount weiterzuleiten, was Sinn und Zweck der wirren Buchstabenzahlenkryptik vollends zunichte macht…), sondern kann mich sogar auch: Ausloggen.
Na immerhin angemeldet.

Darüberhinaus habe ich nun Zugang zum sogenannten BASIS-System erhalten, dass vor allem eines bieten: Verwirrung en masse. Es gibt gefühlte 5389 Möglichkeiten, sich auf dieser Seite fortzubewegen, die wiederum zu doppeltvielen Menüsträngen führen. Das Ziel ist eigentlich immer nur, den Studenten dem Wahnsinn näher zu bringen. Davon bin ich überzeugt.

Im Parallelinternet, dem sogenannten Facebook, gibt es dagegen für jeden Studiengang eine Gruppe, in der sich vor allem darüber ausgetauscht, wieso die E-Mailadresse der Universität so kryptisch verwirrend sind und welchen Grund es hat, dass niemand BASIS verstehen kann.

Die Antwort ist eigentlich immer dieselbe: Antworten gibt es auf der Orientierungswoche.

Fassen wir zusammen, dass die gesamte digitale Infrastruktur der Universität also daraufhin konzipiert ist, nicht intuitiv verstehbar zu sein, um die Studenten zur Erstiwoche zu lotsen. Welch‘ narrenfängisches Unternehmen!

Überhaupt: Orientierungswoche. Was für ein hübscher Name für Tage der Kneipentouren, Stunden der Bibliothekausweisaustellung und Katerfrühstücke. Alles aber selbstverständlich schon im Vorfeld umfangreich geplant und im bunten Stundenplan über den digitalen Campus gesendet. Ich bin gespannt.

Beim nächsten Mal werdet ihr dann lesen können, wieso ich aufgrund eines – für mich – ungünstigen Verlaufes eines Losverfahrens wohl katholische Theologie im Nebenfach belege, wieso Kickboxen 2014 die Unisportsportart Nummer eins werden wird und was der Studentenausweis mit Millimeterpapier gemeinsam hat.