Chester Bennington ist tot.

Im April 1994 saß meine Mutter vor dem Fernseher. Weil es kein Internet gab, oder Handys. Und wie so ziemlich alle in ihrer Generation haben sie die MTV News gesehen und die Welt nicht verstanden.

„Wie jetzt. Einfach so? Er hatte doch eine Tochter. Und eine Frau. Gut, die war ja auch irgendwie kaputt, so wie er und ja, klar, die Drogen. Aber er war doch irgendwie halt Rockstar.“

Als Kurt Cobain gestorben ist, war ich fünf Jahre alt. Und alle Erinnerungen, die ich an diesen Tag habe, habe ich mir wahrscheinlich einfach über die Zeit selbst angeeignet und eingebildet. Aus all den Geschichten von drumherum.

Und heute haben wir Twitter. Wir wissen innerhalb von Minuten, was ein Gerichtsmediziner gesehen hat, wie er darüber berichtet, was ihn dabei bewegt. Wir bekommen die Bestätigung eines traurigen Mitmusikers einen Augenblick danach – in Echtzeit. Wir können andere Stars fragen, was sie fühlen. Einfach so. Wir können kondolieren und unseren Freunden und Nichtfreunden zeigen, dass es uns nahegeht. Oder nahegehen könnte, weil wir irgendwie in diese Generation geboren wurden. Wir können zeigen, dass es uns traurig macht, dass dieser Mensch gestorben ist.

Und immer dann, wenn wir wirklich mal traurig sind und jemanden zum Sprechen brauchen, sprechen wir nicht. Wir schreiben nicht einmal mehr Dinge ins Netz. Wie blöde sind wir eigentlich?!

Leute, redet einfach mal mehr miteinander und weniger übereinander. Vielleicht sogar manchmal weniger mit dem Internet.

Das da war sicherlich UNSER Kurt Cobain-Moment. Und wir sitzen hier und posten GIFs.

„Und wo warst du, als du gehört hast, dass Chester Bennington tot ist?“
„Haha. Am Rechner, Witzbold.“

Es wird niemals passieren, dass da niemand ist, der dir zuhören will. Wenn du das Gefühl hast, du brauchst jemanden, der dir zuhört, ruf einfach hier an: 0800/111 0 111. Wirklich.